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Thema: Einst schrieb....
Weise Worte

Lerne hoffen, ohne zu hoffen!
Leider ein allzu schweres Stück;
Wer's könnte, der hätte das Ziel getroffen:
Glücklich zu sein auch ohne Glück.
Dennoch ist's wahr und guter Rat,
Wird er auch niemals ganz zur Tat.
Leben ist Schuld,
Da will's Geduld;
Im Genuß entsagen,
Leidend nicht klagen,
Verzichtend wagen,
Dem Schein nicht trauen,
Doch freudig schauen,
Schaffen und bauen!
Versuch es, und kann es nicht ganz gelingen:
Soviel du vermagst, es doch zu zwingen,
Soviel ragst du aus Zeit und Schein
Empor, in die Ewigkeit hinein.
© Friedrich Theodor von Vischer, (1807 - 1887)
21.04.2010, 18.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL
SCHNEE

Schnee
Hätt´ich des Himmels reich bestickte Tücher,
Bestickt mit goldnem Licht und Silberlicht,
Die blauen, matten und die dunklen Tücher
Aus Nacht und Zwielicht und aus Tageslicht,
Legt´ ich die Tücher unter deine Füße.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
So leg ich Träume unter deine Füße;
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.
© William Butler Yeats
Hätt´ich des Himmels reich bestickte Tücher,
Bestickt mit goldnem Licht und Silberlicht,
Die blauen, matten und die dunklen Tücher
Aus Nacht und Zwielicht und aus Tageslicht,
Legt´ ich die Tücher unter deine Füße.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
So leg ich Träume unter deine Füße;
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.
© William Butler Yeats
30.01.2010, 14.02 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Ist es Dir schon aufgefallen?
Ist es dir schon aufgefallen, daß sich alles in der Natur zum Licht drängt? Das kleinste Samenkorn wächst aus dem Dunkel der Erde ins Licht. Jeder Baum, wie dicht der Wald auch sei, streckt seine Zweige zum Licht. Jede Blume hält den Kelch ihrer Blüte den Strahlen der Sonne entgegen.
Aber der Mensch hat sich vom Licht abgewandt. Er ist grau geworden mit der grauen Materie. Materie beherrscht den Menschen bis ins innerste Denken hinein - eine krankhafte Überbewertung von Geld und Besitz, von Macht und Reichtum.
Der Geist wird verdrängt, das Denken, Fühlen und Sprechen verliert seine wahre Bahn, in allem Handeln steckt Korruption. Das ist die tiefste Wunde der modernen, hochindustrialisierten Welt. Wo der Geist unterdrückt wird, beginnt in der Gesellschaft die Verhärtung, der tödliche Konflikt. Die Lebenswurzel des Menschen erstickt. Wo der Geist ausgetrieben wird, hält bei so vielen Menschen die Hoffnungslosigkeit Einzug und der dunkle Trieb, das Leben wegzuwerfen.
© Phil Bosmans
Aber der Mensch hat sich vom Licht abgewandt. Er ist grau geworden mit der grauen Materie. Materie beherrscht den Menschen bis ins innerste Denken hinein - eine krankhafte Überbewertung von Geld und Besitz, von Macht und Reichtum.
Der Geist wird verdrängt, das Denken, Fühlen und Sprechen verliert seine wahre Bahn, in allem Handeln steckt Korruption. Das ist die tiefste Wunde der modernen, hochindustrialisierten Welt. Wo der Geist unterdrückt wird, beginnt in der Gesellschaft die Verhärtung, der tödliche Konflikt. Die Lebenswurzel des Menschen erstickt. Wo der Geist ausgetrieben wird, hält bei so vielen Menschen die Hoffnungslosigkeit Einzug und der dunkle Trieb, das Leben wegzuwerfen.
© Phil Bosmans
21.01.2010, 15.58 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Das Bild

Vor Jahren hat mir ein ein junger Mann ein Bild gemalt. Er sah unsere Welt wie in einer Vision und malte den Untergang unseres Planeten. Ein erschütterndes Bild. In der Ferne brennen die Städte der Reichen. Auf der Welt klafft ein großer Riß, vier hagere Männer tragen in grauenvoller Ruhe einen Sarg auf den Riß zu, aus der Stadt der Reichen heraus, an den Hütten der Armen vorbei. Rechts weint die Verzweiflung, eine Frau, die auf dem Boden kauert, die Armstümpfe zum Himmel gereckt. In der Mitte steht die Illusion der Hoffnung: eine Blume, aber aus ihrem Stiel ist ein ganzes Stück herausgeschnitten. Es stirbt die letzte Blume.
Fassungslos starren wir auf die Trümmer in unserer Welt. Aber wenn unser Herz noch an das Licht glauben kann und an die Liebe der Menschen zu den Menschen, dann wird die Blume heilen. Das fehlende Stück des Stiels wird wieder zusammenwachsen. Wo eine Blume blühen kann, da stehen eines Tages tausend Blumen.
© Phil Bosmans
21.01.2010, 15.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Sie kamen mit der Postkutsche....

Es war eine schneidende Kälte, sternenheller Himmel, kein Lüftchen regte sich.
'Bums!' Da wurde ein alter Topf an die Haustüre des Nachbars geworfen.
'Puff, paff!' Dort knallte die Büchse; man begrüßte das neue Jahr.
Es war Neujahrsnacht! Jetzt schlug die Turmuhr zwölf!
Es war Neujahrsnacht! Jetzt schlug die Turmuhr zwölf!
'Trateratra!' Die Post kam angefahren. Der große Postwagen hielt vor dem Stadttore an. Er brachte zwölf Personen mit, alle Plätze waren besetzt.
"Hurra! Hurra! Hoch!" sangen die Leute in den Häusern der Stadt, wo die Neujahrsnacht gefeiert wurde
und man sich beim zwölften Schlage mit dem gefüllten Glase erhob, um das neue Jahr leben zu lassen.
"Prost Neujahr!" hieß es, "ein schönes Weib! Viel Geld! Keinen Ärger und Verdruß!"
Das wünschte man sich gegenseitig, und darauf stieß man mit den Gläsern an, daß es klang und sang -
und vor dem Stadttore hielt der Postwagen mit den fremden Gästen, den zwölf Reisenden.
Und wer waren diese Fremden? Jeder von ihnen führte seinen Reisepaß und sein Gepäck bei sich;
ja, sie brachten sogar Geschenke für mich und dich und alle Menschen des Städtchens mit. Wer waren sie, was wollten sie, und was brachten sie?
"Guten Morgen!" riefen sie der Schildwache am Eingange des Stadttores zu.
"Guten Morgen!" antwortete diese, denn die Uhr hatte ja zwölf geschlagen.
"Ihr Name? Ihr Stand?" fragte die Schildwache den von ihnen, der zuerst aus dem Wagen stieg.
"Sehen Sie selbst im Passe nach", antwortete der Mann. "Ich bin ich!" Und es war auch ein ganzer Kerl, angetan mit Bärenpelz und Pelzstiefeln.
"Ich bin der Mann, in den sehr viele Leute ihre Hoffnung setzen. Komm morgen zu mir; ich gebe dir ein Neujahrsgeschenk!
Ich werfe Groschen und Taler unter die Leute, ja ich gebe auch Bälle, volle einunddreißig Bälle,
mehr Nächte kann ich aber nicht daraufgehen lassen. Meine Schiffe sind eingefroren, aber in meinem Arbeitsraum ist es warm und gemütlich.
Ich bin Kaufmann, heiße Januar und führe nur Rechnungen bei mir."
Nun stieg der zweite aus, der war ein Bruder Lustig; er war Schauspieldirektor, Direktor der Maskenbälle und aller Vergnügungen,
die man sich nur denken kann. Sein Gepäck bestand aus einer großen Tonne.
"Aus der Tonne", sagte er, "wollen wir zur Fastnachtszeit die Katze herausjagen. Ich werde euch schon Vergnügen bereiten und mir auch;
alle Tage lustig! Ich habe nicht gerade lange zu leben; von der ganzen Familie die kürzeste Zeit; ich werde nämlich nur achtundzwanzig Tage alt. Bisweilen schalten sie mir zwar auch noch einen Tag ein - aber das kümmert mich wenig, hurra!"
"Sie dürfen nicht so schreien!" sagte die Schildwache.
"Ei was, freilich darf ich schreien", rief der Mann, "ich bin Prinz Karneval und reise unter dem Namen Februarius."
Jetzt stieg der dritte aus; er sah wie das leibhaftige Fasten aus, aber er trug die Nase hoch, denn er war verwandt mit den 'vierzig Rittern'
und war Wetterprophet. Allein das ist kein fettes Amt, und deshalb pries er auch das Fasten.
In einem Knopfloche trug er auch ein Sträußchen Veilchen, auch diese waren sehr klein.
"März! März!" rief der vierte ihm nach und schlug ihn auf die Schulter; "riechst du nichts? Geschwind in die Wachstube hinein,
dort trinken sie Punsch, deinen Leib- und Labetrunk; ich rieche es schon hier außen. Marsch, Herr Martius!"
Aber es war nicht wahr, der wollte ihn nur den Einfluß seines Namens fühlen lassen, ihn in den April schicken;
denn damit begann der vierte seinen Lebenslauf in der Stadt. Er sah überhaupt sehr flott aus; arbeiten tat er nur sehr wenig;
desto mehr aber machte er Feiertage. "Wenn es nur etwas beständiger in der Welt wäre", sagte er;
"aber bald ist man gut, bald schlecht gelaunt, je nach Verhältnissen; bald Regen, bald Sonnenschein; ein- und ausziehen!
Ich bin auch so eine Art Wohnungsvermietunternehmer, ich kann lachen und weinen, je nach Umständen!
Im Koffer hier habe ich Sommergarderobe, aber es würde sehr töricht sein, sie anzuziehen. Hier bin ich nun!
Sonntags geh' ich in Schuhen und weißseidenen Strümpfen und mit Muff spazieren."
Nach ihm stieg eine Dame aus dem Wagen. Fräulein Mai nannte sie sich.
Sie trug einen Sommermantel und Überschuhe, ein lindenblattartiges Kleid, Anemonen im Haare, und dazu duftete sie dermaßen nach Waldmeister, daß die Schildwache niesen mußte. "Zur Gesundheit und Gottes Segen!" sagte sie, das war ihr Gruß. Wie sie niedlich war!
Und Sängerin war sie, nicht Theatersängerin, auch nicht Bänkelsängerin, nein, Sängerin des Waldes; den frischen, grünen Wald durchstreifte sie
und sang dort zu ihrem eigenen Vergnügen.
"Jetzt kommt die junge Frau!" riefen die drinnen im Wagen, und aus stieg die junge Frau, fein, stolz und niedlich.
Man sah es ihr an, daß sie, Frau Juni, von faulen Siebenschläfern bedient zu werden gewohnt war.
Am längsten Tage des Jahres gab sie große Gesellschaft, damit die Gäste Zeit haben möchten, die vielen Gerichte der Tafel zu verzehren.
Sie hatte zwar ihren eigenen Wagen; allein sie reiste dennoch mit der Post wie die andern, weil sie zeigen wollte, daß sie nicht hochmütig sei.
Aber ohne Begleitung war sie nicht; ihr jüngerer Bruder Julius war bei ihr.
Er war ein wohlgenährter Bursche, sommerlich angekleidet und mit Panamahut. Er führte nur wenig Gepäck bei sich,
weil dies bei großer Hitze zu beschwerlich sei; deshalb hatte er sich nur mit einer Schwimmhose versehen, und dies ist nicht viel.
Darauf kam die Mutter selbst, Madame August, Obsthändlerin en gros, Besitzerin einer Menge Fischteiche, sie war dick und heiß,
faßte selbst überall an, trug eigenhändig den Arbeitern Bier auf das Feld hinaus.
"Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen!" sagte sie, "das steht in der Bibel.
Hinterdrein kommen die Spazierfahrten, Tanz und Spiel und die Erntefeste!" Sie war eine tüchtige Hausfrau.
Nach ihr stieg wieder ein Mann aus der Kutsche, ein Maler, Herr Koloriermeister September; der mußte den Wald bekommen;
die Blätter mußten Farbe wechseln, aber wie schön; wenn er es wollte, schillerte der Wald bald in Rot, Gelb oder Braun.
Der Meister pfiff wie der schwarze Star, war ein flinker Arbeiter und wand die blaugrüne Hopfenranke um seinen Bierkrug.
Das putzte den Krug, und für Ausputz hatte er gerade Sinn. Da stand er nun mit seinem Farbentopfe, der war sein ganzes Gepäck!
Ihm folgte der Gutsbesitzer, der an den Saatmonat, an das Pflügen und Beackern des Bodens, auch an die Jagdvergnügungen dachte;
Herr Oktober führte Hund und Büchse mit sich, hatte Nüsse in seiner Jagdtasche - 'knick, knack!'
Er hatte viel Reisegut bei sich, sogar einen englischen Pflug; er sprach von der Landwirtschaft;
aber vor lauter Husten und Stöhnen seines Nachbars vernahm man nicht viel davon. -
Der November war es, der so hustete, während er ausstieg. Er war sehr mit Schnupfen behaftet; er putzte sich fortwährend die Nase,
und doch, sagte er, müsse er die Dienstmädchen begleiten und sie in ihre neuen Winterdienste einführen; die Erkältung, meinte er,
verliere sich schon wieder, wenn er ans Holzmachen ginge, und Holz müsse er sägen und spalten; denn er sei Sägemeister der Holzmacherinnung.
Endlich kam der letzte Reisende zum Vorschein, das alte Mütterchen Dezember mit der Feuerkiepe; die Alte fror,
aber ihre Augen strahlten wie zwei helle Sterne. Sie trug einen Blumentopf auf dem Arme, in dem ein kleiner Tannenbaum eingepflanzt war.
"Den Baum will ich hegen und pflegen, damit er gedeihe und groß werde bis zum Weihnachtsabend,
vom Fußboden bis an die Decke reiche und emporschieße mit flammenden Lichtern, goldenen Äpfeln und ausgeschnittenen Figürchen.
Die Feuerkiepe wärmt wie ein Ofen; ich hole das Märchenbuch aus der Tasche und lese laut aus ihm vor, daß alle Kinder im Zimmer still,
die Figürchen an dem Baume aber lebendig werden und der kleine Engel von Wachs auf der äußersten Spitze die Flittergoldflügel ausbreitet, herabfliegt vom grünen Sitze und klein und groß im Zimmer küßt, ja, auch die armen Kinder küßt,
die draußen auf dem Flure und auf der Straße stehen und das Weihnachtslied von dem Bethlehemsgestirne singen."
"So! Jetzt kann die Kutsche abfahren", sagte die Schildwache, "wir haben sie alle zwölf. Der Beiwagen mag vorfahren!"
"Laß doch erst die zwölf zu mir herein!" sprach der Wachhabende, "einen nach dem andern! Die Pässe behalte ich hier;
sie gelten jeder einen Monat; wenn der verstrichen ist, werde ich das Verhalten auf dem Passe bescheinigen.
Herr Januar, belieben Sie näher zu treten."
© Hans Christian Andersen
31.12.2009, 13.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Warum es keine Weihnachtslärche gibt
Warum es keine
Weihnachtslärche gibt....
Eine weihnachtliche Geschichte von Joachim Guggenmos
Weihnachtslärche gibt....
Eine weihnachtliche Geschichte von Joachim Guggenmos
"Herbst, was hast du uns mitgebracht?" riefen die Bäume.
"Mitgebracht?" brummte der Herbst.
"Die andern haben uns die herrlichsten Dinge geschenkt!" schallte es von allen Seiten. "Der Frühling hat uns allen herrliche grüne Kleider gegeben!"
"Dazu hat er uns mit schneeweißen Blüten überschüttet!" riefen Birnbaum, Kirschbaum und Pflaumenbaum.
"Mich hat er mit rosafarbenen Blüten geschmückt!" rief der Apfelbaum.
"Mir hat er tausend rote Blütenkätzchen geschenkt!" rief die Fichte.
"Mir hat er auf jeden Zweig prächtige Blütenkerzen gesteckt!" rief die Kastanie.
"Und der Sommer!" riefen die Bäume. "Der Sommer hat uns Früchte gegeben!"
"Mich hat er mit blauen, weiß bereiften Kugeln behängt!" rief der Pflaumenbaum.
"Mich mit wunderhübschen roten!" rief der Kirschbaum.
"Uns hat er große, saftige Früchte beschert!" riefen Birnbaum und Apfelbaum.
"Mir hat er zierliche Zapfen auf die Zweige gesteckt!" rief dieLärche.
Die Bäume konnten nicht genug den Frühling und den Sommer loben. "Unddu, Herbst", riefen sie, "du nimmst uns die Früchte! Und was gibst du uns dafür?"
"Ich habe nichts mitgebracht. Ich kann euch nichts geben", brummte der Herbst.
"Ihr habt eure grünen Kleider noch, seid zufrieden!"
"Ach, unsere grünen Kleider", hieß es. "An denen haben wir uns längst satt gesehen!"
Die Bäume standen still und traurig, bis sich eine helle Stimme vernehmen ließ: "Kannst du uns nicht wenigstens die Kleider färben?
Ich wünsche mir ein goldenes!"
Alle schauten auf die Birke, die gesprochen hatte. Dann brach ein Sturm los: "Herbst, du mußt uns die Kleider färben!"
"Ich wünsche mir ein rotes Kleid!" rief der Kirschbaum.
"Ich ein braunes!" rief die Eiche.
"Ich ein violettes!" rief die Tanne.
"Ich ein ockerfarbenes!" rief der Ahorn.
Der Herbst schüttelte sein Haupt. "Ich würde euch gerne den Gefallen tun", sagte er. "Aber was würde der Winter dazu sagen, wenn er kommt?
Er würde toben! Ich kenne ihn: Er ist für das Schlichte, alles Buntscheckige ist ihm verhaßt. Nein, es kann nicht sein!"
"Oh, du willst nur nicht!" klagten die Bäume. "Der Winter hat gewiß nichts dagegen, wenn wir bunte Kleider tragen!"
"Wir können ihn ja fragen", entschied der Herbst. Und er befahl dem Wind, eilig zum Winter zu laufen.
Bis zum Winter war ein weiter Weg. Der Wind rannte durch die Straßen der Dörfer
und Städte, über die Fluren, durch die Täler, über die Höhen.
Keuchend kehrte er zurück. "Der Winter ist außer sich", berichtete er. "Er droht, allen Bäumen den Kragen umzudrehen, wenn er jeden in einem andersfarbigen Kleid vorfindet."
Die Bäume steckten die Köpfe zusammen. Schließlich machten sie dem Herbst einen Vorschlag: "Gib unsern Blättern und Nadeln schöne Farben!
Wir versprechen dir, sie alle abzuwerfen, ehe der Winter kommt, dann hat er keinen Grund, sich zu beschweren. Der Frühling gibt uns später wieder neue Kleider."
"Hm", meinte der Herbst, "dann steht ihr ja alle kahl da, wenn der Winter kommt. Ob er damit einverstanden sein wird? Ich glaube kaum. -
Lauf, Wind, und frage ihn."
Der Wind stöhnte, weil er den weiten Weg noch einmal machen mußte.
Fauchend und heulend fuhr über das Land, bis er dorthin gelangte, wo der Winter wohnte.
Der Winter erklärte: "Wenn den Bäumen so viel an bunten Kleidern gelegen ist, sollen sie ihre Freude haben! Aber ein Teil von ihnen muß grün bleiben. Ich will an Weihnachten nicht nur kahle Zweige sehen!
Wind, höre gut zu, was ich dir sage! Die Laubbäume können sich ihr Laub vom Herbst färben lassen, wenn sie wollen; sie müssen es nur abgeworfen haben, bis ich komme. Die vier Nadelbäume aber - hast du
verstanden? -, die vier Nadelbäume müssen grün bleiben. Wehe dir, wenn
du meinen Befehhl nicht ordentlich weitergibst!"
Der Wind, den schon der Herbst so viel herumgeschickt hatte, wollte wenigstens zur Zeit des Winters seine Ruhe haben. Er nahm sich daher vor, seine Botschaft an die vier Nadelbäume genau auszurichten. Als er zurückkam, rief er sogleich:
"Fichten, Tannen, Kiefern, Föhren,
ihr vier habt mir zuzuhören!
Bleibet grün, so wie ihr seid,
grün, grün, grasgrün allezeit!
Dieses muß ich euch berichten,
Tannen, Kiefern, Föhren, Fichten!"
ihr vier habt mir zuzuhören!
Bleibet grün, so wie ihr seid,
grün, grün, grasgrün allezeit!
Dieses muß ich euch berichten,
Tannen, Kiefern, Föhren, Fichten!"
Der Wind war überzeugt, seine Sache gut gemacht zu haben.
Doch als der Winter kam und sich umschaute, da verfinsterte sich sein Gesicht. Er brüllte: "Wind, was habe ich dir aufgetragen?" und zeigte auf die Lärche, die mit kahlen Zweigen dastand. Unter ihr lagen die ockerfarbenen Nadeln verstreut, die sie abgeworfen hatte, wie die Laubbäume ihr Laub.
"Aber ich habe doch ausdrücklich allen vier Nadelbäumen befohlen",
stotterte der Wind, "der Fichte, der Tanne, der Kiefer, der Föhre...."
"Und der Lärche?" brüllte der Winter.
Da ging dem Wind plötzlich ein Licht auf: Er hatte die Kiefer, die auch Föhre heißt, zweimal genannt und die Lärche vergessen...
Ja, hätte der Wind damals nicht einen Fehler gemacht, könnten wir uns als Weihnachtsbaum eine kleine Lärche statt der Fichte oder Tanne ins Zimmer holen.
Aber seien wir dem Wind nicht auch noch böse. Er ist bestraft genug.
Hört nur, wie ihn der Winter draußen durch die Gegend jagt!

26.11.2009, 18.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Der Stern

Ein nie vorher gesehener Stern
Manchmal des Nachts, wenn ich die Öfen schürte,
Sah ich durchs Fenster, nah und weltenfern,
So jäh, als ob mich eine Hand berührte,
Den nie vorher gesehenen Stern.
Er sprang und zuckte grün in kaltem Feuer -
So groß war nie ein Licht, und kein Planet.
Mein Blick war blind davon, und ungeheuer
Erschrak mein Herz, und fand nicht zum Gebet.
Hob dann die Lider ich, war er verschwunden.
War es ein Zeichen? War's ein Ruf des Herrn?
Ich frage nicht. Doch hält mich tief gebunden
Der nie vorher gesehene Stern.
Urheberrecht Carl Zuckmayer
26.11.2009, 17.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Der Dezember
Der Dezember
Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, daß man's versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
"Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."
Urheberrecht Erich Kästner
Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, daß man's versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
"Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."
Urheberrecht Erich Kästner
26.11.2009, 16.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Herbst

Herbst
Astern blühen schon im Garten,
Schwächer trifft der Sonnenpfeil.
Blumen, die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.
Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt in blauem Duft.
Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.
(Detlev von Liliencron, 1844-1909)
10.09.2009, 16.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Liebe ist...

Liebe ist Licht
ohne einander zu blenden.
Liebe ist einander nahe sein,
ohne einander zu besitzen.
Liebe ist Wärme geben,
ohne einander zu ersticken.
Liebe ist Feuer sein,
ohne einander zu verbrennen.
Liebe ist viel voneinander halten,
ohne einander festzuhalten.
Die schönsten Schlingpflanzen
können den stärksten Baum erwürgen,
wenn sie ihn nur lange genug
zärtlich umarmen.
Allein die Liebe ,
ist das Haus,
in dem wir wohnen können.
© Phil Bosmans
ohne einander zu blenden.
Liebe ist einander nahe sein,
ohne einander zu besitzen.
Liebe ist Wärme geben,
ohne einander zu ersticken.
Liebe ist Feuer sein,
ohne einander zu verbrennen.
Liebe ist viel voneinander halten,
ohne einander festzuhalten.
Die schönsten Schlingpflanzen
können den stärksten Baum erwürgen,
wenn sie ihn nur lange genug
zärtlich umarmen.
Allein die Liebe ,
ist das Haus,
in dem wir wohnen können.
© Phil Bosmans
11.07.2009, 14.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL
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Online seit dem: 26.08.2006
in Tagen: 1473
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e Celine, das sind sehr schöne Blumen u
