Am Ufer des Lebens

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Gesammelt

Ich bin schon ein seltsamer Vogel

Diese kleine nachdenkliche Geschichte stammt aus einem meiner gesammelten Gemeindebriefen. Ich denke, sie wirkt auf den Leser nachdenklich oder eher lustig?
Lies selbst und ich wette; es wird Dir gefallen.

Oh Vater!

Wenn du sie
damals nicht alle mit hineingelassen hättest
in die Arche,
die bunten und verschiedenartigen Tiere,
um wie viel ärmer wäre deine Menschheit, Herr.

Niemand weiß besser als du, wie viel wir bis heute
gemeinsam haben mit deinen Tieren.

Es gibt Meckerziegen und alberne Gänse,
alte Drachen und lahme Enten.
Es gibt flotte Bienen und Mistkäfer,
Trampeltiere und Windhunde.

Es gibt sture Böcke und komische Käuze,
Nachtfalter und Eintagsfliegen.
Es gibt Leithammel und folgsame Schafe,
verwöhnte Schoßhündchen und richtige Pechvögel.

Es gibt solche und solche in deiner Arche, Herr:-Einsiedlerkrebse und gesellige Pinguine, wendige Wiesel und tapsige Bären, schlanke Giraffen und fette Masthähnchen. Giftige Nattern gibt es, die überall ihr Gift verspritzen, und Spassvögel, die überall gern gesehen sind. Mütter, die ihre Jungen verhätscheln mit richtiger Affenliebe, und Küken, die viel zu früh flügge werden.

Falsch wie die Schlangen können Menschen sein, aber auch einfältig wie die Tauben. Geduldig wie ein Lamm und wild wie ein Wolf. Stachelig können sie sein, und widerborstig wie ein Igel. Und anschmiegsam wie eine Angorakatze. Fleissig wie eine Biene, und faul wie ein Siebenschläfer. Abstossend hässlich können sie sein wie eine Raupe, aber auch anziehend und faszinierend wie ein Schmetterling. Eitel und stolz wie ein Pfau Und unscheinbar wie eine Kirchenmaus. Mutig und stark können sie sein wie der König der Wüste, oder sanft und scheu wie ein Reh, Dickfellig und stur wie ein Elefant oder empfindlich wie eine Schnecke, die sich bei der ersten Berührung zurückzieht.

Es ist nicht immer ganz einfach, Herr es auszuhalten in deiner Arche, bei so verschiedenen Geräuschen und Gerüchen. Gib mir die nötige Geduld, Herr: Sie alle zu ertragen, und jedem Tierchen sein Pläsierchen zu lassen.

Und vor allem lass mich nicht vergessen, Herr:
Dass ich für die anderen auch
ein seltsamer Vogel bin.

Nickname 30.08.2010, 12.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Gedanken über das Leben



Was ist das Leben

An einem schönen Sommertage war um die Mittagszeit
eine Stille im Wald eingetreten.
Die Vögel steckten ihre Köpfe unter die Flügel.
Alles ruhte.

Da reckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte:
Was ist eigentlich das Leben?
Alle waren betroffen über diese schwierige Frage.

Die Rose entfaltete gerade ihre Knospe
und schob behutsam ein Blatt nach dem anderen
heraus. Sie sprach:
Das Leben ist eine Entwicklung.

Weniger tief veranlagt war der Schmetterling.
Lustig flog er von einer Blume zur anderen, er sagte:
Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.

Drunten am Boden schleppte sich eine Ameise
mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst,
und war der Meinung:
Das Leben ist nichts anderes als Mühe und Arbeit.

Geschäftig kam eine Biene von einer honighaltigen Blume
zurück und wisperte:
Das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.

Wo so weise Reden geführt wurden,
steckte der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde
und sagte:
Das Leben ist ein Kampf im Dunkeln.

Es hätte nun fast einen Streit gegeben,
wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte,
der war der Ansicht:
Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen.
Dann zog er weiter zum Meer.
Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit
aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten:
Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit.

Hoch über ihnen zog majestätisch ein Adler
seine Kreise, der frohlockte:
Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben.

Nicht weit davon stand eine Weide, die hatte der Sturm
schon zur Seite gebogen. Sie ächzte:
Das Leben ist ein Sich neigen unter eine höhere Macht.

Dann kam die Nacht.
Mit lautlosem Flug glitt ein Uhu durch das Geäst des
Waldes und krächzte: Das Leben heißt:
die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen.

Und schließlich wurde es still im Wald.

Nach einer Weile ging ein junger Mann durch die
menschenleeren Strassen nach Hause;
er kam von einer Lustbarkeit und murmelte vor sich hin:
Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück
und eine Kette von Enttäuschungen.

Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht
auf und sprach:
Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden
Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.


ein altes  Märchen aus Skandinavien
 

Nickname 04.08.2010, 20.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zwei Mütter

Die beiden Mütter
 
Eine Löwin und eine Füchsin begegneten sich; und, wie es Mütter so gerne tun, sie sprachen sogleich über ihre Kinder. Die Löwin konnte nicht genug erzählen, wie gut gewachsen ihr Junges sei, und welch goldblondes Fell es hätte.
"Ach, und meine Brut ist wirklich eine Freude zu sehen", unterbrach die Füchsin, "eines der Kleinen ist schöner und gesünder als das andere. Es ist doch ein Stolz, solche Kinder zu haben. Aber", fügte sie etwas spöttisch hinzu, "du hast, wie ich bemerkte, nie mehr als ein Junges?"
Beleidigt wendete sich die Löwin ab. "Nein", antwortete sie, "aber dieses eine ist - ein Löwe!"
eine Fabel von Aesop


 

Nickname 07.05.2010, 18.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Held ist ......

1.gif


Es gibt ein Sakrileg auf der Welt: es besteht darin, den Helden einer Kategorie mit den Maßstäben einer andern zu messen, was meistens zu Lächerlichkeiten, Karikaturen, Bosheiten führt. Manchmal zur Wahrheit.
© Kurt Tucholsky
 

Ein Held ist, wer einer großen Sache so dient,
daß seine Person dabei gar nicht in Frage kommt.
©  Friedrich Wilhelm Nietzsche


Nickname 03.05.2010, 17.49 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Es macht schon einen Unterschied....


Es macht schon einen Unterschied....
Eine alte Parabel

Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlang ging, sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf. Nachdem er ihn eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das denn tue. Da sagte der junge Mann: "Die Seesterne werden sterben, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben müssen."
"Aber der Strand ist viele Meilen lang, und Tausende von Seesternen liegen hier", sagte der Alte.
"Was macht das also für einen Unterschied, wenn du dich hier abmühst?" Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er: "Für diesen hier, macht es einen."



Nickname 06.02.2010, 14.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

So erzählt man sich.....


Einst, so erzählt man sich heute, sagten der Neid und die Missgunst
wir fühlen uns wohl unter den Menschen, denn wir sind ein Teil von ihnen.

Woraufhin der Respekt und die Toleranz entgegneten:
wir können das von uns nicht sagen,
denn die Menschen kennen uns kaum.

Da lachte die Eifersucht,
denn Sie war stets willkommen unter den Menschen
und auch die Ignoranz war mehr als zufrieden mit ihrem Dasein.

Der Hass war genauso begeistert von seinem Wandeln unter den Menschen,
denn er herrschte wie ein Fürst unter ihnen.

Dies konnte das Verständnis gar nicht begreifen
denn es wurde gemieden und litt darunter.

Ach, sagte die Traurigkeit
so oft werde ich gerufen
denn so vieles, das ihr anderen den Menschen antut,
hat zur Folge, dass sie mich brauchen,
und diesen Worten schloss sich die Enttäuschung an,
denn es erging ihr nicht anders.

Daraufhin erwiderte das Vertrauen:
ich werde benutzt, werde missbraucht
und die Menschen sprechen von mir ohne zu wissen wer ich eigentlich bin.

Da sagten die Träume:
ich weiß gar nicht was ihr alle wollt
mich haben die Menschen verloren
sie sprechen immer von ihren Träumen
und dennoch glauben die meisten nicht an sie.

Zu guter Letzt fing auch die Liebe an zu sprechen
und man konnte ihr anhören wie traurig sie war
und sie sagte:
manchmal frage ich mich warum ich unter den Menschen weile.
Sie sprechen von mir ohne zu wissen welche Bedeutung ich habe,
reden über mich und kennen mich gar nicht,
sie spielen mit mir ohne zu wissen wie sehr sie damit verletzen können,
glauben an mich und wissen doch gar nicht an was sie glauben.

Da kam der Trost daher und nahm die Liebe in den Arm,
denn es tat ihm weh zu sehen was man der Liebe antat.

Nickname 21.01.2010, 16.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der Sorgensack


Die Geschichte vom Sorgensack

Eines Tages wurde einer Frau ihr Sorgensack zu schwer, sie schien fast darunter zu zerbrechen. Sie wusste nicht mehr, wie sie es schaffen sollte, ihn weiter zu tragen. Irgendwann hatte sie von einer Stelle tief im Wald gehört, an der es eine verschlossene Höhle gab, in der man unter bestimmten Voraussetzungen seinen Sorgensack loswerden konnte.

Heimlich machte sie sich auf den Weg. Nach nicht allzu langer Zeit fand sie den Ort. Vor der Höhle sass ein alter Mann, der sie freundlich willkommen hiess. "Ich möchte hier bei dir meinen Sorgensack loswerden", bat sie ihn. Er schaute sie eindringlich an: "Das möchten viele, und das können sie hier auch tun. Aber es gibt eine Bedingung: In diesem Raum stehen viele Sorgensäcke, und du kannst deinen nur loswerden, wenn du ihn gegen einen anderen umtauschst".

Die Frau willigte ein, und der Alte führte sie in ein riesiges Gewölbe. Erleichtert stellte sie ihren Sorgensack ab. Dann versuchte sie, ihn gegen einen passenden einzutauschen. Eilig rannte sie von Sack zu Sack und schaute hinein. Enttäuscht band sie jeden schnell wieder zu.

Nach langem Suchen schlich sie zu ihrem Sack zurück, packte ihn wieder auf die Schultern und verliess nachdenklich den Raum. Ihr Sorgensack schien ihr plötzlich so leicht, dass sie ihn gar nicht mehr auf ihren Schultern spürte und sie ging leichtfüssig und guten Mutes davon.

Und jedem, den sein Sorgensack fast zu erdrücken schien, erzählte sie von ihrem Erlebnis.

So wie ich sie jetzt weiterreiche.....

Nickname 18.01.2010, 17.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Als die Weisheit sich versteckte



Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.

Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre. Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.

 

Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: "Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen."

 

Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.

Der Verfasser ist wie bei vielen alten Geschichten leider nicht bekannt


Nickname 04.11.2009, 19.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Bild zu malen wäre nicht schlecht




Der versteckte Frieden

Es war einmal ein König, der schrieb einen Preis im ganzen Land aus: Er lud alle Künstler ein, den Frieden zu malen und das beste Bild sollte eine hohe Belohnung bekommen.

Die Künstler im Land machten sich eifrig an die Arbeit und brachten dem König ihre Bilder. Aber von allen Bildern, die gemalt wurden, gefielen dem König nur zwei. Zwischen denen musste er sich nun entscheiden.

Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. In dem See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wiederfinden. Jeder, der das Bild sah, dachte sofort an den Frieden.

Das zweite Bild war ganz anders. Auch hier waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rau und kahl. Über den Bergen jagten sich am grauen Himmel wütende Wolkenberge und man konnte den Regen fallen sehen, den Blitz aufzucken und fast auch den Donner krachen hören. An dem einen Berg stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe. Keiner, der das Bild sah, kam auf die Idee, dass es hier um den Frieden ging.

Aber der König sah hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. Dort in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort saß der Muttervogel auf seinem Nest – in perfektem Frieden.

Welches Bild gewann den Preis?

Der König wählte das zweite Bild und begründete das so: "Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben."


Nickname 11.06.2009, 18.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Seelenproviant für den Tag



Das Herz und die Vernunft

Einst sprach die Vernunft zum Herz: "Der Mensch kann froh sein das es mich gibt. Ich sage ihm immer was für ihn richtig ist."

"Ja", antwortet das Herz, "Du meinst es nur gut, und doch wirst du oft zum Werkzeug, mit dem die Menschen ihr eigenes Unglück schmieden."

"Das stimmt nicht!" entgegnete die Vernunft, "Ich bin es, die dem Menschen viel Ärger erspart."

"Gelegentlich", wandte das Herz ein, "Aber wenn es um die Liebe geht, unterdrückst du mich. Du wirst zum Lügner, weil du dich zu oft von der Angst täuschen lässt. Ich kann nicht lügen, ich zeige den Menschen was gut für sie ist. Doch da sich die Menschen sehr oft von dir leiten lassen, hören sie meine Stimme nicht mehr."

"Und dennoch bewahre ich sie vor Enttäuschungen", warf die Vernunft ein.

"Da irrst du dich gewaltig" widersprach das Herz, "Wenn du mich unterdrückst, ist der Mensch schon enttäuscht. Denn du hast die Liebe erstickt, die ihn hätte glücklich machen können."

Da wurde die Vernunft sehr traurig........




Nickname 17.03.2009, 12.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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